Der Vistas – Tag 6

Und wieder beginnt ein Tag mit Sonne und nur wenig Bewölkung. Wie uns später zwei Schweden berichten, haben wir bei unserer Wanderung die ganz wenigen Sonnentage in einem ansonsten verregneten und kalten Sommer erwischt.

Wir frühstücken mit Blick auf diese schöne Bergkulisse. Weil ich oft zu unserer Ernährung gefragt werde, hier ein kleiner Exkurs dazu. Frühstück: eine Tasse Kaffee mit Milch und Zucker (ein Streifen „Nescafe´ 3 in 1“), eine Tasse Haferflocken, Mittag: ein Protein- oder Müsliriegel, Abendessen: eine Tüte Trekking-Food (dehydrierte Fertiggerichte, die mit heißem Wasser aufgegossen werden) z. B. Chicken Curry, Chili con Carne oder Lachs mit Pasta. Wir beide finden, dass das Essen seit unserer letzten Tour deutlich schmackhafter geworden ist.

Unser kleines Camp ist abgebaut, es sieht alles so aus wie vorher und die Sonne wandert langsam um den Berg herum in unser Tal.

Wir sind gestern aus der Bergtundra abgestiegen und unser Weg führt uns heute durch lockeren Birkenwald.

Nah am Fluss gefällt es uns am besten. Dort ist immer Bewegung, das rauschende Wasser vermittelt irgendwie gute Laune und oft gibt es spannendes zu entdecken.

Die Vogelwelt des Tales ist erfreulich vielfältig. Birkenzeisige mit ihrer auffällig roten Brust suchen im Gebüsch nach Nahrung, mehrfach fliegen Schneehühner vor uns auf und einmal saust sogar ein Gerfalke vor uns vorbei. Er ist der größte Falke weltweit (ungefähr Bussardgröße) und ein ungeheuer schneller Flieger. Er wird daher als repräsentativer Jagdfalke von wohlhabenden Scheichs sehr geschätzt. Über lange Zeit wurden die Nester deshalb von skrupellosen Wilderern geplündert. Ich habe mir immer gewünscht ihm einmal zu begegnen und heute habe ich ihn tatsächlich kurz beobachten können, das erste Mal überhaupt.

Ein sehr entspannter Tag ist heute. Es sind nur ca. 7 Kilometer bis zu unserem Tagesziel, der Vistas-Stugorna (Hütte), das Wetter ist schön

und wir halten immer wieder an, um von den üppig wachsenden Blaubeeren zu naschen.

Die Hütte liegt wunderschön, direkt am Fluss. Hier schaut man auf das Saunahäuschen, von dem aus man über einen vielleicht 30 Meter langen Bohlensteg

in den kühlenden Fluss steigt.

Ich bin zuerst skeptisch, ob ich nicht doch im Zelt übernachten will, weil ich mich so nah an der Natur fühle und ich diesen Zustand nicht unterbrechen möchte.

Andererseits habe ich hier vor 50 Jahren schon einmal übernachtet. Auch wollen wir die Hütte als Basis für einen Abstecher in die Bergregion auf der anderen Seite des Flusses nutzen und wir kommen mit ein paar sehr spannenden jungen Leuten ins Gespräch.

Sandro erzählt von seiner Wanderung auf dem E1 (Europäischer Fernwanderweg 1), den er in insgesamt 9 Monaten und in Sandalen vom Nordkap bis Sizilien gelaufen ist. „Was braucht man eigentlich, um wirklich zufrieden zu sein und worauf kann man guten Gewissens verzichten?“ Ein spannendes Thema, auch wenn geschätzt 40 Jahre Lebenserfahrung zwischen uns liegen.

Maria, eine sehr sportliche junge Frau hat als Kind und Jugendliche viel Zeit in den Bergen Südtirols verbracht. Sie erzählt vom heutigen Massentourismus dort und wie gut es ihr tut, hier allein unterwegs zu sein. Sie hat ein Skizzenbuch zuviel mitgenommen und schenkt es Irene, mit einer Zeichnung des Fluss- und Bergpanaromas vor unserer Haustür.

Ungeheuer gemütlich sind diese kleinen Hütten, abseits der größeren Wanderwege. Wir kennen sie von unserer Wanderung auf dem Padjelantaleden. Es gibt keinen Strom und kein fließendes Wasser, nur einen kleinen gasbetriebenen Herd und einen Bullerofen, der mit Birkenholz betrieben wird.

Wir bleiben!

2 Kommentare auch kommentieren

  1. Irene Brennecke sagt:

    Volker, ich musste lachen, als ich „eine Tasse Kaffee mit Milch und Zucker“ gelesen habe:
    Auch wenn das stimmt was du geschrieben hast und auch wenn es unser Highlight war,
    es war nur ein Streifen Nestkaffee „3 in Eins“ in einem Blechbecher mit heißem Wasser!
    Aber für uns ohne Frage: köstlich!

    1. Volker sagt:

      Liebe Irene, da muss ich jetzt auch lachen. Aber da kannst du mal sehen, welche Bedeutung dieses morgendliche „Leckerli“ für uns hatte.
      Die wärmende Blechtasse in der Hand zu haben und in den frühen Morgen zu schauen, das ist schon ganz, ganz besonders!

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