
Unser erstes Nachtlager. Tolle Zelte haben wir. Beide wiegen jeweils nur 1,2 Kilogramm und sind sehr schnell aufzubauen.

Gestern Abend und in der Nacht sind noch andere Wanderer dazugekommen. Sie nehmen am diesjährigen „Fjällräven Classic“ teil und zelten hier, bevor sie, nach bisher ca. 100 Kilometern, ihre letzte Etappe nach Abisko antreten. Ein Vielvölkergemisch und eine entspannte, kommunikative Atmosphäre. Aus Südkorea kommt Ming-Sung: „Call me MS“; als ich Domini aus Polen zurufe, dass sein Wasserkessel dampft, kommentiert er trocken: „Habemus Papam“. Wir lachen uns kaputt.
Sie berichten aber auch, dass es auf der Strecke sehr viel geregnet hat und dass es sehr kalt war. Keine guten Aussichten, aber wir haben ja auf unserer letzten Tour gelernt, dass Zuversicht stets ein guter Wegbegleiter ist.
Viele Wanderer kommen uns heute entgegen, aus aller Herren Länder: Süd-Korea, Japan, Indonesien, Singapur, Indien, Litauen, Ungarn, Deutschland, Schweiz, Holland, Großbritanien, um nur einige zu nennen.
Und wir hören, dass am Tjakta-Pass, ungefähr 40 km südlich von uns Sturm, Schneeregen und nur 2 Grad Celsius den Teilnehmern ordentlich zu schaffen gemacht haben. Wer am „Fjällräven Classic“ teilnimmt muss im Zelt schlafen, wer eine Hütte nutzt wird disqualifiziert.
Nun sind wir doch etwas verunsichert. Eigentlich wollten wir heute bis über die Baumgrenze aufsteigen, ins relativ ungeschützte Hochland.

Als wir dann die Brücke zur Alesjaure-Stuga überqueren und uns der Wind ordentlich kalt durchpustet, entschließen wir uns dann doch unsere Zelte zunächst in einem geschützten Birkenwald in der Nähe der Hütte aufzubauen. Dort können wir dann auch gegen eine Gebühr die Selbstversorgerküche nutzen.
Wir wollen es ruhig angehen lassen.

Wirklich schön und vor allem windgeschützt ist es hier. Irene, der Pflanzenexpertin, fällt auf, dass alle Blüten hier viel intensiver leuchten, als bei uns ist. Vielleicht ist es die kurze Vegetationszeit von nur knapp 3 Monaten, die dafür sorgt, dass die Blumen wirklich alles geben.
Hier treffen wir das erste Mal auf Moa, eine sehr sympathische Schwedin, die mit dem Zelt und einem, in unseren Augen, riesigen Rucksack unterwegs ist. Sie hat gerade ihren Doktor in Astrophysik gemacht und geht jetzt ein paar Wochen in die Berge, um den Kopf wieder frei zubekommen. Wir unterhalten uns sehr angeregt und bekommen von ihr mit auf den Weg, dass wir die Sonnenfinsternis am nächsten Tag nicht verpassen sollen.

Einen wunderbaren Kiesstrand gibt es hier. Bei schönem Wetter würde er sogar zum Schwimmen einladen und große Elchspuren finden wir am Ufer.

Aber es ist so kalt geworden, dass wir beide froh sind in unsere warmen Schlafsäcke kriechen zu können. Ich ziehe dabei alles an, was der Rucksack hergibt. Ein bisschen bin ich in Sorge wie es morgen weitergeht.
