Wie wollen wir weiter unterwegs sein? Als überzeugte Camper lieben wir das reduzierte Leben im Zelt, aber der Aufbau nimmt doch immer viel Zeit in Anspruch und unser tolles holländisches Nomad-Zelt kommt in die Jahre, wie wir ja auch.

Also probieren wir mal was Neues, einen Klappcamper. Hinterm Auto zuckelt er brav hinter uns her bis zu unserem Campingplatz am Laascher See in der Nähe von Gartow.

In ca. 10 Minuten haben wir alles aufgebaut und freuen uns in den nächsten Nächten, dass wir den niedrigen Temperaturen nicht in Bodennähe ausgesetzt sind.

Nach dem Aufbau, schneller als gedacht, radeln wir dann gleich zu einem „Wunderpunkt“ der Kulturellen Landpartie in unserer Nähe.
Seit 1989 gibt es sie schon, die Kulturelle Landpartie. Sie hat sich aus dem Widerstand gegen die Atomanlagen entwickelt und gilt als das größte selbstorganisierte Kulturfestival Deutschlands.
In diesem Jahr sind es mehr als 600 Künstler, die ihre Arbeiten an mehr als 100 Orten vorstellen.

„Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden“. Dieses Zitat aus dem „Herrn der Ringe“, fällt mir bei dem Feuer eines jungen Schmieds ein.

Aber böse wirkt er gar nicht und faszinierende Damaszener-Klingen schmiedet er, auf einem alten Hof, wo auch andere Handwerker ihre Künste präsentieren.

Abends dann noch ein Spaziergang am Sommerdeich, mit Lämmchen und Mama

und ihrem Bodyguard, einem beeindruckenden Herdenschutzhund.
Wir schlafen richtig gut in unserem neuen Zuhause, mit viel frischer Luft und wir können den Stimmen der Nacht lauschen, der Nachtigall, dem Waldkauz und früh am Morgen sogar dem Wiedehopf.
Am nächsten Tag erkunden wir dann per Fahrrad mehrere Orte im Umkreis von Gorleben.


Der Widerstand gegen das dort geplante Atommüllendlager, bei dem sich Atomkraftgegner aus ganz Deutschland zusammen mit der örtlichen Bevölkerung erfolgreich gegen die Lagerung von radioaktivem Abfall gewehrt haben, ist hier in mehreren Ausstellungen natürlich immer noch Thema.
Heute wehren wir uns gegen Erdgasbohrungen in unserer eigenen Region, mit all den schädigenden Nebenwirkungen für Mensch und Umwelt, „NoMoorGas“.

Das gefällt mir gut und passt immer noch in die Zeit, dieses Zitat von Rosa Luxemburg „trotz alledem“.


Schön der Rückweg heute Abend.

Der nächste Morgen startet mit einem Frühstück in Lüchow. Dort am Stones-Fanmuseum finden wir noch ein Zitat, das ich gern hier dokumentiere. Weiter geht’s!

Gleich am ersten heutigen „Wunderpunkt“, in Wustrow, komme ich ins Gespräch mit der Autorin dieses spannenden Buches über Grenzschicksale beiderseits der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Das „Grüne Band“, „mein“ Thema. Ich kann von ihr sogar noch ein Exemplar der bereits vergriffenen ersten Ausgabe erwerben. 2,3 kg Lesestoff.



Buntes Leben, Kunst und „Chaos-Varieté“ auf der Dolgower Wiese. Entspannte Erwachsene und begeisterte Kinder.

Dann vielfältige Kunst am „Wunderpunkt“ in Bülitz.




Die haben es uns besonders angetan, diese filigranen, kleinen Keramiken.

Der Abend endet mit Liedern von Hannes Wader, Reinhard Mey und Konstantin Wecker. Lauter Lieder, die wir kennen und die teilweise vom ganzen Publikum mitgesungen werden. Lieder, die uns geprägt haben und die auch heute noch zum Nachdenken und zum Reden anregen.

Der nächste Tag ist dann vor allem Entspannung und Natur genießen an der Elbe und im Biosphärenreservat Elbtalauen.




Ein paar richtig schöne Tage haben wir gehabt mit ganz viel Nähe zur Natur, vielen starken Eindrücken, anregenden persönlichen Kontakten und letztlich dem Gefühl, dass es gar nicht viel braucht für Spaß und Freude und ein friedliches und zufriedenes menschliches Miteinander.

Nächstes Jahr kommen wir wieder!