Der Vistas – Wandern am wilden Fluss

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Die Natur im hohen Norden Schwedens hat uns gepackt und lässt uns nicht wieder los. Vor vier Jahren waren Irene und ich den Padjelanta-Leden gewandert und nun soll es der wenig begangene Weg durch das Vistastal sein.

Annähernd 50 Jahre ist es jetzt her, dass ich diese Strecke mit einem Freund zusammen gelaufen bin und vor 15 Jahren habe ich mit meinem Sohn Sebastian am „Fjällräven Classic“, dem „schönsten Trekking-Event der Welt“ teilgenommen. Damals sind wir, aus der Gegenrichtung kommend, 2 bis 3 Tagesetappen auf der jetzt geplanten Route unterwegs gewesen. Für mich also eine Wanderung mit hohem Erinnerungswert.

Nach unserer Ankunft in Kiruna am Sonntagabend, stromern wir gleich durch das Waldgebiet hinter unserem Vandrarhem und saugen begeistert die frische, klare, nordische Bergluft ein. Wir sind hier und morgen geht`s los.

Tag 1 der Wanderung

Morgens machen wir zunächst einen kurzen Abstecher in das „neue“ Kiruna.

Die ganze Stadt wird wegen der Auswirkungen des Erzabbaus (Kiruna hat die größte Eisenerzmine der Welt) um mehrere Kilometer versetzt und hat eine völlig neue Innenstadt bekommen. Die schöne Altstadt, die ich noch kennenlernen durfte, existiert nicht mehr und sogar die Kirche wurde abtransportiert. Dazu aber später mehr. Wir stocken hier heute nur unseren Proviant für die nächsten 10 Tage auf und organisieren unsere Weiterfahrt in das ca. 100 Kilometer entfernte Abisko.

Der Personenzug dorthin, in Richtung Narvik, fährt aktuell nicht, der Linienbus ist nicht voll geworden und so brausen wir mit einem weiteren Fahrgast in einem Taxi-Transporter zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. 17 Uhr ist es jetzt und schon deutlich kälter als in Kiruna. Wir beschließen deshalb uns gleich zum einzigen erlaubten Zeltspot im Abisko-Nationalpark (ca. 5 Kilometer entfernt) auf den Weg zu machen.

Im Eingang zum kleinen Naturmuseum bekommen wir noch dieses wegweisende Gedicht mit auf den Weg. Genau so möchten wir es haben!

Wir starten auf dem Kungsleden, dem berühmten Wanderweg, der schon Anfang des letzten Jahrhunderts geschaffen wurde, um bei der Bevölkerung Begeisterung für die nordschwedische Bergwelt zu wecken. 470 Km führt er nach Süden.

Wir wollen ihn aber nach 2-3 Tagen verlassen, weil er, für schwedische Verhältnisse, doch von relativ vielen Wanderern genutzt wird.

Hier beginnt auch der Dag Hammerskjöld-Weg, ein Pilgerweg, der 2004 zu Ehren des schwedischen Diplomaten und Friedensnobelpreisträgers in Zusammenarbeit zwischen dem Schwedischen Staat, der Kirche und der örtlichen Sami-Gemeinschaft angelegt wurde. Dag Hammerskjöld war von 1953 bis 1961 Uno-Generalsekretär und kam 1961 bei einem bis heute ungeklärten Flugzeugunfall ums Leben.

Wir staunen schon nach ein paar hundert Metern über den tief eingeschnittenen Abiskojakka-Canyon,

unterqueren den mit samischen Motiven bemalten Straßentunnel und hören das letzte Mal für die nächsten 10 Tage die Geräusche vorbeifahrender Autos. Auch das Internet meldet sich hier ab!

Und endlich das erste frische, „selbstgezapfte“, leckere Trinkwasser aus dem Fluss.

Ein Wandertag, wie aus dem Bilderbuch

und ein erster Meditationsplatz: „Die längste Reise ist die Reise in sein Innerstes“ (auf schwedisch und auf der Rückseite auf samisch) ein Zitat aus Hammerskjölds Buch „Zeichen am Weg“, das uns im Rucksack begleitet.

Dann der erste Zeltaufbau und die erste Zahnbürste draußen.

Allein und in aller Ruhe erkunde ich die Gegend um unseren Schlafplatz herum.

Und die Welt mit all ihren düsteren Nachrichten ist auf einmal ganz, ganz weit weg.

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  1. Irene Brennecke sagt:

    Ich erlebe Alles nochmal!
    Das hast du wundervoll beschrieben!
    Irene

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