Der Vistas – Tag 5

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Heute wollen wir durch das Quellgebiet des Vistas-Flusses wandern. Darüber habe ich im Netz tatsächlich nichts herausfinden können, außer, dass sich der Fluss aus Gletscherwasser und abschmelzendem Schnee speist. Wir sind also sehr gespannt, was uns heute erwartet.

Die Zelte sind wieder durchgetrocknet, wir sind gut ausgeruht und verlassen die Berghütte am Alesjaure-Fluss.

Es geht ordentlich steil bergauf und bald haben wir den See weit unter uns. Immer wieder ziehen Rentiere vorbei, stattliche Hirsche und auch Mütter mit ihren Kälbern. Völlig still ist es hier oben. Das Rot der kleinen Fjällpflänzchen zeigt, dass sich das Land schon auf den Herbst vorbereitet.

Heute achten wir sehr genau auf die Karte. Hier sind kaum Menschen unterwegs und verlaufen wollen wir uns auf gar keinen Fall. Ein erster Orientierungspunkt für uns ist der kleine Bergsee, ungefähr auf Höhe des Passes, an dem wir auf der östlichen Seite vorbeiwandern.

Wir staunen über wunderhübsche Pflanzenarrangements, die die Natur hier gezaubert hat.

Mystisch wirkt die Landschaft, als wir uns auf Passhöhe in Richtung Süden auf das Vistastal zubewegen. Wir haben den Eindruck auf ein helles Tor zuzuwandern, das sich, wie zur Verstärkung, auch noch im See spiegelt. Geheimnisvoll wirkt das Ganze, so als läge der Eingang in eine andere Welt vor uns.

Als wir uns an der letzten Hügelkuppe vor dem Abstieg befinden, gibt die Sonne dann den Blick in das Tal frei.

Das Foto kann nur ansatzweise wiedergeben, was wir zu sehen bekommen und schon gar nicht, was wir empfinden. Silberglänzend mäandert der junge Fluss durch das Tal, umgeben von den vielfältigsten Grüntönen der Vegetation, übergehend in Grau- fast Violetttöne des Gesteins und um die Berggipfel segeln weiße Wolken.

Paradiesisch wirkt das Tal, so als wären wir die ersten Menschen, die es entdecken.

Hier nimmt der Vistasfluss seinen Anfang.

Und damit nicht genug! Vielleicht eine halbe Stunde später stoßen wir völlig unerwartet auf diesen kraftvollen Wasserfall, der dem neuen Fluss ordentlich Wasser zuführt.

Feine Strukturen hat er in den Fels geschliffen und das Wasser könnte frischer nicht sein.

Die „Blumen der Baumgrenze (Hammerskjöld)“, immer wieder staunen wir und sind beeindruckt, was sie zu leisten vermögen.

Und die Wasser des Vistas rauschen ungebremst das Tal herunter. Kurz hinter unserem Zielort Nikkaluokta fließt er in den Kalixälven, der mit seinen Quellflüssen zu den letzten großen, unverbauten Flusssystemen in ganz Schweden gehört.

Malerisch und wildromantisch wird die Landschaft, der Wanderweg ist richtig gut zu laufen und wir sind heute nicht mehr als vielleicht fünf oder sechs anderen Menschen begegnet.

Irene ist eine Meisterin im Aufspüren guter Zeltplätze. Wir haben unser Lager so aufgeschlagen, dass wir freien Blick in drei Täler haben, links und rechts von uns fließen zwei kleine Bäche (für Frischwasser), der Boden ist wunderbar eben und es gibt sogar Reste einer alten Feuerstelle. Mehr geht nicht!

Wir machen uns das Abendessen, der Rauch vertreibt die Mücken und wir sitzen noch lange mit heißem Tee am Feuer. Manchmal hören wir aus den Bergen auf der anderen Seite des Flusses dumpfes Gepolter. Steinschlag! Mit dem Auftauen des Permafrosts schmilzt der „Kitt“, der die Berge zusammenhält. Der Klimawandel ist hier sogar zu hören. Unheimlich klingt das an diesem sonst völlig stillen Bergabend.

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