
Es hat geregnet in der letzten Nacht und auch für heute ist Regen angekündigt, berichtet uns David, der nette Stugvard (Hüttenwart). Das Tal, in das wir gestern bei strahlendem Sonnenschein gewandert sind (im Hintergrund gut zu sehen), liegt in Dunst und Wolken.

Durch lichten Birkenwald folgen wir nun weiter dem Vistas, dem viele kleine und größere Bäche zufließen.

Von dort, aus dem Einschnitt am oberen, rechten Bildrand, sind wir gekommen.

Das ist unsere Perspektive in Richtung Westen

und dorthin, in die Richtung, aus der ich gerade fotografiert werde, wollen wir. Ich kann mich an diese Stelle genau erinnern, weil Klaus und ich hier das erste Mal unsere mitgebrachte Angel ausgeworfen hatten. Unsere Lebensmittelvorräte waren vollständig erschöpft und wir hofften auf einen Fisch zum Abendessen. Leider vergeblich.

Täler, wie unser Vistastal sind in Schweden zum größten Teil der Gewinnung von Wasserkraft zum Opfer gefallen. Die Flüsse wurden durch Staudämme gebremst und die Täler durch das aufgestaute Wasser überschwemmt. Wäre das auch hier am Vistas erfolgt, gäbe es all die Naturschönheit und das vielfältige Leben nicht mehr, das wir hier erleben dürfen. All das „quicklebendige Wasser“, das uns hier immer wieder begeistert, wäre tot und wäre nur noch eine Ressource zur Gewinnung von Energie.
Das Recht der Flüsse zu fließen, frei von Verschmutzung zu sein und sich wieder zu erholen, dafür setzen sich mittlerweile weltweit viele Initiativen ein. Teils auch schon mit Erfolg. Flüsse in Neuseeland, Kanada und Ecuador haben bereits einen eigenständigen rechtlichen Status, mit Klagerecht, bekommen. In Europa insgesamt und auch bei uns in Deutschland setzen sich Menschen für diese Rechte ein: in Deutschland (Spree), in Polen (Weichsel), in Spanien (Tejo) und an vielen Stellen mehr.
Ich empfehle hierzu sehr das Buch von Robert Macfarlane „Sind Flüsse Lebewesen?“


Dieser Fluss jedenfalls war bisher einfach unfassbar schön. Und wir sind gespannt, was uns noch im Flussdelta erwartet.

Gar nicht schön ist das, was von dieser Sami-Kotta übriggeblieben ist. Klaus und ich hatten hier übernachtet, der Boden der Kotta war mit Rentierfellen ausgelegt, es gab eine Feuerstelle und Holz zum Spalten. Wanderer, die vor uns hier waren, hatten sogar ein Tütchen mit Haferflocken zurückgelassen. Das half uns ein klein wenig über die nächsten Tage.
Auf mich wirkt die Kotta sogar ein bisschen gruselig. Eigentlich hatte ich nichts anderes erwartet, aber ein wenig enttäuscht bin ich schon.

Dafür finden wir wieder einen traumhaften Platz zum Zelten. Wenn man genau hinschaut, sieht man die beiden Zelte links von der Brücke. Und das Wetter hat sich auch wieder deutlich verbessert. Heutige Begegnungsbilanz: nicht mehr als vier andere Wanderer.

Wir stehen direkt oberhalb des zu Tal brausenden Vassajakko


und die ebene Fläche zum Aufstellen der Zelte ist so eng bemessen, dass ich mit der Rückseite meines Zeltes direkt „am Abgrund“ stehe. Hier positioniere ich meinen Rucksack, damit ich nicht aus Versehen auf der falschen Stelle aussteige.

Das obligatorische Zahnbürstenfoto (hallo Margret).
Ganz selbstverständlich ist es mittlerweile geworden zum Trinken, Waschen, Zähneputzen und Kochen das Wasser aus dem Fluss zu holen.

Am Abend stromern wir wieder herum, erkunden den Wildbach, finden leckere Birkenpilze (kaum ein Abend ohne geschmorte oder gebratene Pilze)


und finden, dass die Welt hier ganz schön in Ordnung ist.
