Der Vistas – Tag 7

Die Sonne scheint und es entsteht ein Gefühl von Sonntagsspaziergang, als wir, ohne die Rucksäcke, ins Räitavagge aufsteigen. Wir wollen weiter in die Berge hinein, die wir bisher nur als Kulisse westlich von uns gesehen haben.

Blaubeeren und Preiselbeeren gibt es hier überall und ohne Rucksack kommt man deutlich besser wieder in die Aufrechte, als mit 15 Kg auf dem Rücken.

Die großen wiesenähnlichen Flächen sind dicke Matten aus Flechten, Moosen, Beerengesträuch und anderen Pflanzen, so dass man beim Betreten das Gefühl hat auf einer Weichbodenmatte zu laufen. Mir wird klar, dass dieser Bewuchs es ist, der den Boden, wie ein dickes Fell, vor Zerstörung und Erosion schützt.

Und die Natur leistet sich den Luxus dabei solch wunderhübsche kleine Kunstwerke zu schaffen. Das Staunen hat kein Ende und wieder denke ich an das Zitat von Dag Hammerskjöld.

Der spitze Berg im Hintergrund ist der Nallo (1585 m). Er sollte eigentlich unser heutiges Ziel sein. Uns gefällt es hier aber so gut, dass wir gar nicht weiter wollen.

Irene streift herum, sucht Beeren und Pilze

schwelgt in fast exotisch anmutender Vegetation

und badet sogar im Fluss (geschätzte Wassertemperatur 8 Grad).

Ich habe wieder irgendwo in der Landschaft einen großen, flachen Findling gefunden, liege in der Sonne und merke erst, als ich plötzlich hochschrecke, dass ich eingeschlafen bin. Von Tag zu Tag fällt es mir leichter, mich voller Vertrauen auf diese Natur einzulassen, in eine ganz tiefe innere Ruhe zu kommen und eine Art von Verbindung einzugehen mit allem was mich umgibt.

Als man mich als junger Mann darauf ansprach, was mich denn am hohen Norden so reizen würde, da waren es oft Antworten wie: menschenleere Wildnis, Überleben fernab der Zivilisation oder Auseinandersetzung mit Wind, Kälte und unbekanntem Terrain. Vielleicht waren das aber auch nur andere – dem Lebensalter geschuldete – Worte, für das, was diese Landschaft schon immer für mich ausgemacht hat.

Immer wieder stoßen wir auf diese feuerroten Pflanzengruppen. In 3-4 Wochen wird das ganze Fjäll in Rot-, Orange- und Gelbtönen erstrahlen. Im Norden Amerikas spricht man dann vom Indian Summer, hier heißt diese Zeit „Ruska“.

Über diese Hängebrücke kommen wir nach unserem Ausflug zur Vistasstuga zurück und kommen dort mit Tatsuro ins Gespräch.

Tatsuro ist Grundschullehrer aus Japan und kommt aus einer Stadt im Ballungsraum Tokyo, die genauso viele Einwohner hat, wie ganz Schweden. Interessiert beobachtet und fotografiert er in allen Einzelheiten Irenes frisch gesammelte Pilze und wie sie gesäubert und zubereitet werden. Er ist begeistert vom Geschmack der Pilzmahlzeit, was auf dem Foto wohl deutlich zu erkennen ist.

Er ist in vielen Gegenden der Welt gewandert. Hier gefällt es ihm am Besten und nächstes Jahr will er seine Partnerin mitbringen.

Tatsuro hat 100 Origami-Kraniche gefaltet und mit auf die Reise genommen. Sie sind in Japan ein Symbol für Frieden, Gesundheit und ein langes Leben. Als er uns 2 von ihnen schenkt sind wir völlig überrascht und tief berührt. Beide verbinden wir nämlich, völlig unabhängig voneinander, eine besondere, eigene Geschichte mit diesem Glücksbringer.

Morgen geht`s weiter und wir beide werden in den nächsten Tagen noch viel über diese besonderen menschlichen Begegnungen sprechen. Alle drei haben unsere Adressen von uns bekommen und wir sind gespannt, ob wir vielleicht irgendwann einmal unverhofften Besuch bekommen.

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  1. Margret Strohbach sagt:

    Diesen erwähnten „unerwarteten Besuch“ wünsche ich Euch und uns (auch herzlich bei den Fischies willkommen!!) seeehr!!! So spannen wir alle ein Netz über die Welt! ❤️ ❤️❤️

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