Der Vistas – 3.Wandertag

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„Volker, die Sonne scheint“ ruft Irene aus ihrem Zelt. Nach dem Regen der letzten Nacht habe ich mich noch gar nicht getraut aus dem Zelt zu schauen. Es ist nur noch leicht bewölkt und es geht weiter!

Wir frühstücken: eine Tasse heißen Kaffee und eine Tasse Haferflocken, angereichert mit getrockneten Früchten und Bienenpollen. Wir bauen unser Lager ab und starten in den frischen, kühlen Morgen. Auf den Bergen um uns herum hat es in der letzten Nacht geschneit.

Wieder kommen uns viele Fjällräven-Classic-Wanderer entgegen. „6 Tage waren wir unterwegs, das war sehr anstrengend, nächstes Mal nehmen wir uns mehr Zeit“. Sebastian und ich sind die 110 Kilometer damals in 3 Tagen und 3 Stunden marschiert und haben dafür eine Silbermedaille bekommen. Für uns stand die Vater-Sohn-Aktion und die sportliche Herausforderung im Vordergrund.

Irene und ich profitieren davon, dass es für die Teilnehmer am Checkpoint Nr. 4 frische Pfannkuchen, eine große Kelle Blaubeermarmelade und Schlagsahne gibt. Weil wir keine Teller haben wird das Ganze geschickt in die Kaffeetasse gedreht! Irene krönt das Ganze noch mit frisch gepflückten Blaubeeren. Lecker!

Ab jetzt wird es ruhiger auf dem Weg. Die letzte Startgruppe ist bald durch.

Schnell gewinnen wir an Höhe, schauen von oben auf den See, an dem wir letzte Nacht gezeltet haben und kommen an den zweiten Meditationsplatz.

„Demut vor den Blumen der Baumgrenze öffnet den Weg ins Fjäll“, das ist dein Satz, liebe Irene. Schade, dass wir ihn erst jetzt übersetzen können.

Demut, Bescheidenheit, Loyalität und die zentrale Ausrichtung auf die Sache des Friedens, fernab vom Ringen um Macht, Anerkennung oder persönlichem Vorteil, diese Werte haben Hammerskjöld immer geleitet. Er liebte ausgedehnte Wanderungen durch den Norden seines Heimatlandes mit seiner herben Schönheit und beeindruckenden Weite. Er gab diese Gewohnheit auch nicht auf, als er 1953 zum Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt wurde.

Hammerskjöld galt als jemand, der Brücken schlagen konnte, von Land zu Land und von Mensch zu Mensch. Auf seiner Friedensmission im Kongo, als es um die rohstoffreiche Region Katanga ging, waren nicht alle am Frieden interessiert – es gibt plausible Hinweise darauf, dass Bergbaukonzerne und westliche Geheimdienste am Absturz seiner Maschine beteiligt waren. Endgültige Klärung aber gibt es bis heute nicht.

Immer höher geht es jetzt und im Hintergrund sind erste Gletscherausläufer zu sehen und auch der frische Schnee von heute Nacht ist auf den Gipfeln erkennbar.

Ich erinnere mich an meine Reise vor 50 Jahren, als ich an einem nebligen Septembertag hier mit meinem Kumpel Klaus unterwegs war. Einen Schneehuhnjäger haben wir hier getroffen, einen der ganz wenigen Menschen, die wir damals überhaupt getroffen haben.

Herrliches Wetter haben wir, die Landschaft ist zum Niederknien schön und ich weiß gar nicht mehr, warum ich mir eigentlich Sorgen gemacht habe.

Unter einem Bohlenweg, der durch eine Sumpfgebiet führt, haben Bienen ein Nest gebaut. Erstaunlich und bewundernswert, welche Überlebensstrategien Tiere entwickeln, um unter diesen rauen Bedingungen zu überleben.

Für die letzten 5 Kilometer, 17 sind wir heute bereits gelaufen, gibt es einen Bootstransfer. Es gibt feste Abfahrtszeiten und wenn man gefahren werden möchte hisst man eine gelbe Fahne. Der Sami-Captain, schaut mit seinem Fernglas aus seiner Hütte, ob es Bedarf gibt und kommt dann über den See.

Die gelbe Fahne ist wieder unten und wir sind unterwegs.

Unser Bootsführer mag gern erzählen. Er ist jetzt über 60 und hat die anstrengende Rentierzucht an seine Tochter und deren Familie übergeben, die jetzt mit den Tieren östlich von hier unterwegs ist. 200 bis 300 Tiere sind hier verblieben. Einige von ihnen sehen wir auch an den Berghängen stehen.

Sein Boot hat er im Winter mit dem Motorschlitten hierhergeholt und er betreibt hier, auf 800 Meter Höhe, den höchstgelegenen Bootsverkehr in ganz Schweden. Es hat zwar nur einen sehr geringen Tiefgang, aber durch die Gletscherschmelze werden viele Sedimente in den Fluss getragen und der Flussgrund steigt allmählich an. Noch kommt er zurecht.

Er freut sich, als wir ihm erzählen, dass wir den Vistas hinunterwandern wollen. Die größten Elche Schwedens gäbe es dort und Luchse und Vielfraße und die Landschaft sei unglaublich schön.

Wir landen direkt an der Alesjaurehütte

sind begeistert von der umgebenden Landschaft

und beschließen einen Tag zu bleiben.

Und dann, unmittelbar bevor die Sonne hinter einem Berg verschwindet, entdeckt Irene sogar noch die Sonnenfinsternis, in einer Wolkenlücke, genau zu dem Zeitpunkt, als die Mondscheibe direkt im Zentrum der Sonne steht und diese einen Ring um den schwarzen Kreis in der Mitte bildet. So etwas haben wir beide noch nie gesehen.

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