Der Vistas – Tag 9

Ich habe super geschlafen, trotz des brausenden Vassajakko unmittelbar neben mir.

Heute wird das Gelände flacher und der Bewuchs üppiger. Vereinzelt tauchen auch schon erste Nadelbäume auf. Wir kommen langsam in die „boreale Nadelwaldzone“, in die Taiga, die sich in dieser geographischen Höhe um die gesamte Nordhalbkugel erstreckt.

Niedrig wachsende Wacholder finden sich hier überall. Die Beeren sind viel süßer als bei uns und haben einen fein aromatischen Beigeschmack. Meine Favoriten aber sind die Blaubeeren, die wir immer wieder händevollweise neben dem Weg sammeln und verspeisen können. Superfood!

Ganz frische Elchspuren können wir heute morgen verfolgen. Dieses Tier muss auf unserem Weg eine ganze Weile vor uns hergelaufen sein.

Auch Elchkot findet sich überall. Wir bekommen aber keinen einzigen von ihnen zu Gesicht. Es ist uns ein Rätsel, wie es diese riesigen Tiere schaffen, sich in dem lichten Wald vor uns zu verstecken.

Solche schönen Stellen, am besten mit Ausblick und mit Zugang zu Frischwasser, nutzen wir gern zum Rasten. Wir haben Zeit!

Allerdings werden wir ab dem heutigen Nachmittag von Regenwolken verfolgt. Wir wandern im Trockenen, aber wenn wir zu lange stehen bleiben erreicht uns ein leichter Nieselregen. Es scheint so, als ob der Regen sich in genau unserem Marschtempo das Tal hinunterbewegt.

Wir schaffen heute noch ein ordentliches Stück Weg. Gegen Abend, als der Regen unmissverständlich deutlich macht, dass er uns bald erreichen wird, beschließen wir nach einem geeigneten Zeltplatz zu suchen. Dieser Bach hat wunderbares Wasser und Irene findet wieder schöne, ebene, geschützte Flächen. Die Zelte bekommen wir gerade noch aufgebaut, bevor Dauerregen einsetzt, der die ganze Nacht anhalten wird.

Trotzdem gibt es noch ein warmes Abendessen (mit Pilzen!) und einen heißen Tee am verregneten Lagerfeuer. Irgendwie sind wir mittlerweile unverwüstlich geworden.

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