Der Vistas – Nikkaluokta

Die Sami-Siedlung Nikkaluokta liegt am äußersten westlichen Rand des Sees Paittasjärvi, der direkt am Ortsrand aus den Flüssen Vistas und Laddjujokka gebildet wird. Hier haben sich schon seit Jahrtausenden immer wieder Rentierjäger und später nomadisierende Rentierzüchter aufgehalten. Eine feste Ansiedlung gibt es aber erst seit etwa 120 Jahren. Die günstigen örtlichen Gegebenheiten machten Viehzucht, Fischfang und Jagd möglich. Mit dem Bau der Eisenbahn nach Kiruna begann aber auch ein erster Tourismus. Es ergaben sich Verdienstmöglichkeiten durch den Verkauf von Lebensmitteln, das Angebot von Unterkünften, Gepäcktransport usw.. Tourismus ist heute nach wie vor die zentrale Erwerbsquelle des Ortes.

Beim Frühstücksbuffet in der Turist-Station (heute gibt es mehr als nur Kaffee und Haferflocken) beobachtet uns dieser Sami. Leider kann ich die Bildunterschrift unter dem Porträt nicht entziffern, aber er schaut sehr sympathisch aus. Bestimmt hätte er viel zu erzählen.

Unser erster Weg führt uns heute zu der kleinen Holzkirche, die auf einer Anhöhe über dem Ort steht. Es fällt mir schwer Irene davon abzuhalten am Glockenseil zu ziehen, das frei zugänglich, vom Dach herabhängt.

Wir sind sehr angetan vom einfachen, ansprechenden, stillen Inneren der Kirche. Wir sehen nur Materalien aus der Umgebung: Holz, Rentierleder, Rentierfelle und wir vermuten, dass die Leuchter aus Gusseisen der Kiruna-Mine geschmiedet worden sind. Ein Ort, um zur Ruhe zu kommen.

Vor 15 Jahren bin ich mit meinem Sohn von Nikkaluokta aus zum Fjällräven-Classic gestartet. Nach ungefähr 5 Kilometern konnte man bei „Lap-Donalds“ Rentierburger bekommen. Ich bin gespannt, ob „Lap-Donalds“ noch existiert.

Wir beschließen also heute Burger zum Mittag zu essen, wandern ohne Gepäck auf dem viel begangenen Wanderweg in Richtung Kebnekaise und zu meiner Überraschung ist hier ein kleines Restaurant entstanden. Der Rentierburger ist jetzt ein Elchburger, der Preis hat sich verdoppelt, aber richtig lecker schmeckt er und das Haus ist gemütlich und geschmackvoll eingerichtet.

„Lap-Donalds“ gibt es auch noch, aber hier wird nur einmal im Jahr für den „Classic“ geöffnet. Mein Traum ist es mit meinen Enkeln, sie sind jetzt ein Jahr und drei Jahre alt, noch einmal an diesem Trekking-Event teilzunehmen. Ich bin dann Anfang achtzig. Das kriegen wir hin!

Gern hätte ich Irene den Blick vom Ladtjojaure auf die Berge im Umfeld des Kebnekaise gezeigt. Aber die Berge verbergen sich hinter dichten Wolken. Eine traumhafte Szenerie ist es trotzdem.

Erst als wir wieder in Nikkaluokta zurück sind, klart der Himmel auf. Vom Kirchenhügel aus sieht man , ganz hinten, in der Mitte des Bildes, steil aufragend den Tolpagorni (1662 m). Rechts daneben den Vierranvarri (1711 m) und dann langgestreckt nach rechts den Kebnekaise (2111 m).

Klaus und ich wollten damals tatsächlich auf den Kebnekaise. Bis auf den Vierranvarri sind wir gekommen, dann hat uns (heute würde ich sagen: glücklicherweise) einsetzender Schneefall zum Abstieg gezwungen.

Am letzten Tag in Nikkaluokta strahlt die Sonne. Von der Straßenbrücke in Richtung Kiruna können wir in beide Richtungen auf den Vistas schauen. Immer neue Blicke hat man von hieraus auf seine Deltalandschaft.

Etwas wehmütig schauen wir in die Richtung, aus der der Fluss kommt. Wir haben so viel erlebt in den letzten 10 Tagen.

Für mich ist der Eindruck entstanden, dass sich in dem letzten halben Jahrhundert kaum etwas verändert hat. Das Tal ist immer noch so einsam, wie ich es kennengelernt habe und die Natur beeindruckt nach wie vor durch ihre große Vielfalt. Durch Irenes Blick für die vielen kleinen, staunenswerten Details nehme ich sicherlich viel mehr wahr, als auf meiner ersten Reise hierher.

Was sich verändert, ist das Verschwinden der Farbe Weiß aus der Landschaft. Es ist nicht zu übersehen, dass die Gletscher nach und nach schwinden, wie in den Alpen, im Himalaya und überall auf der Welt.

Was wir mitnehmen, ist ein unvergleichliches Naturerlebnis, spannende menschliche Begegnungen und viele, viele Anregungen und Denkanstöße. Diese Reise wird noch lange nachwirken.

Auf der anderen Seite der Straße, links und rechts an der kleinen Insel vorbei, verabschiedet sich der Vistas von uns. Er mündet hier in den See, der mit anderen zusammen den Fluss Kalixälven bildet und nach 450 Kilometern den Bottnischen Meerbusen erreicht. Der Kalixälven ist damit der längste naturbelassenen Fluss in ganz Schweden. Möge es noch ganz lange so bleiben!

Morgen ist unser letzter Tag. Und morgen werden wir uns Zeit nehmen, um noch ein wenig einzukaufen und um noch einen Eindruck von Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens, zu bekommen.

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