Der Vistas – Tag 10

Schon seit gestern beschäftigt uns die Frage, wie wir unsere Wanderung zu Ende bringen wollen.

Vor uns liegt das Flussdelta, das sich über eine Breite von bis zu 1,5 Kilometer mit Seen, Tümpeln und Sumpfgebieten über das Tal erstreckt (die gepunktete Linie östlich des Flusses beschreibt den Wanderweg). Wir können die verbleibenden ca. 14 Kilometer bis Nikkaluokta laufen oder die gleiche Strecke über den sich schlängelnden und windenden Fluss mit dem Boot zurücklegen.

Schließlich fällt die Entscheidung. Wir haben den Vistas so lange vom Ufer aus begleitet. Jetzt wollen wir die Chance nutzen ihn auch von der Wasserseite her zu erleben.

Die Bootsanlegestelle besteht lediglich aus dieser Metallstange und einer Telefonnummer.

Der Fluss zeigt hier ein völlig verändertes Bild. Ganz breit, gemächlich und spiegelglatt ist er geworden. Ein schönes Helltürkis hat er angenommen.

Wir bekommen nicht gleich Kontakt mit dem Bootsführer und Irene nutzt die Zeit für eine Zeichnung in Marias Skizzenbuch.

Einen Kaffee machen wir uns noch und als ich die Tassen im Flusswasser spüle, höre ich ein lautes Schnaufen hinter mir.

Als ich aufblicke stehen acht große Rentierbullen vielleicht 30 Meter von mir entfernt am Ufer. Eine beeindruckende Begegnung.

Erik heißt der Bootsführer, der uns mit einem überraschend modernen und schnellen Motorboot abholt. Etwas gewöhnungsbedürftig, weil wir die letzten 10 Tage nur im Schritttempo unterwegs waren.

Wir müssen uns ordentlich festhalten, wenn er in schnellen Kurven dem Flusslauf folgt oder Sandbänken ausweichen muss.

Gut, dass wir uns für diese Variante entschieden haben. So erleben wir die Abgeschiedenheit und die Vielfältigkeit des Deltas auf eine ganz andere Weise. Es gibt keine Spur von menschlicher Anwesenheit und immer wieder neue Perspektiven, wenn das Boot um die nächste Flusskurve gefahren ist. Mal ist es der Einblick in einen seitlich einmündenden See, mal eine kleine Insel und viel wechselnde Vegetation.

Das ist schwierig zu fotografieren, weil wir doch ziemlich schnell unterwegs sind und ich Sorge um mein Gleichgewicht und auch um mein Handy habe.

Nach gut 20 Minuten erreichen wir den kleinen „Hafen“ von Nikkaluokta und der Regen erreicht uns.

Erik tankt gleich nach und wir gehen durch den kleinen Ort zur Fjällstation.

Wir entscheiden uns zwar nicht für das kalte Bier, aber erst einmal gegen die Zivilisation. Bis zur Abreise am Sonntag haben wir noch ein paar Tage

Hier können wir unseren Müll entsorgen. Auf dem Weg gab es keine Möglichkeit dazu. Auf dem Bild sieht man unsere gesamte Plastikmüllausbeute aus 10 Tagen Wanderung.

Wir buchen in einem kleinen Privathaus ein Zimmer, wie aus einem Heimatmuseum. Für Insider: Über wessen Bett steht welcher Spruch?

„Sorge dich nicht um Morgen“

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“

Gut gefällt es uns hier! Das wird unsere Basisstation, um ein Stück in Richtung Kebnekaise zu wandern und um die allerletzte Strecke des Vistas-Flusses auch noch kennenzulernen.

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