Das „Grüne Band“ Wandern im wilden Deutschland-Tag 9

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Die Wanderung heute beginnt fast ein wenig märchenhaft.

Rapunzel, Rapunzel…

Aber dann kommt es ganz anders.

Auf einmal fühle ich mich ganz flau und beklommen.

Diese Abfertigungshallen. Die Erinnerung ist ganz deutlich. Ich war ca.12 Jahre alt, als meine Eltern mit mir die Verwandten in Mecklenburg-Vorpommern besuchen wollten. Unser Auto wurde als Einziges aus einer langen Schlange wartender PKWs herausgewinkt. Irgendetwas mit dem Visum war nicht in Ordnung und mein Vater musste mit den Grenzern in deren Büro. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis er wiederkam und wir weiterfahren durften.

Auf der Rückfahrt dann: Aussteigen, Schäferhund, Spiegelwagen unters Auto, alles auspacken, Grenzbeamte mit durchdringenden Blicken und immer das Gefühl, die lassen uns hier nicht mehr raus.

Gelebte Erinnerungskultur, die emotional ganz nah kommt. Eine halbe Stunde reicht. Ich will hier weg.

Ich überquere die Autobahn, die heute ohne Unterbrechung Ost und West verbindet und bin wieder im Wald. Einsam ist es, aber die Geräuschkulisse des lauten Bandes der Straße begleitet mich noch lange.

Ich erreiche Bad Helmstedt. Richtig gelesen, bei Helmstedt gibt es Heilquellen, die einen regelrechten Kurbetrieb, mit „Brunnentheater“, erwachsen ließen. Aktuell, coronabedingt, hat hier weder ein Café noch ein Restaurant geöffnet. Schade, es ist kalt und der Wind kommt aus Nordost. Ein heißes Getränk hätte mir gut getan.

Und jetzt geht es durch den Wald. Kilometer für Kilometer für Kilometer.

Für das Mittagessen findet sich auch nichts gemütlicheres, als dieser Holzstapel. Und verproviantiert habe ich mich etwas unüberlegt, so dass ich „Walter Popps Kartoffelsalat“, in Ermangelung von Besteck, mit dem Taschenmesser essen muss.

Jedes Anzeichen von Leben bedeutet Abwechslung. Seien es diese Wühlspuren von Wildschweinen, das gellende Hiäh des Schwarzspechts, das tiefe Klong des Kolkraben oder das Rätschen des Eichelhähers.

Der Sturm hat hier mächtig gewütet und immer wieder liegen Bäume über dem Weg.

Mit dem großen Rucksack auf dem Rücken fällt es manchmal schon schwer sich durch die Äste zu quetschen.

Ich mag Wald, aber nach ca. 3 Stunden und 10-12 km nur durch Wald und auch noch überwiegend monotones Kiefernstangenholz, bin ich wirklich froh, als das Gelände lichter wird.

Fast türkis schimmert diese riesige, mittlerweile stillgelegte, Quarzsandgrube kurz vor meinem Zielort.

Ein Foto von einer Gedenktafel am ehemaligen Grenzübergang Weferlingen
Mein nettes, mollig warmes, Hotel.
Ganz hübsch ist es hier und sogar die Aller fließt durch den Ort.

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  1. Roland sagt:

    Moin Volker
    Ist die Wildschweinrevolte zu Ende?
    Ja, Marienborn kenne ich auch und ich habe ähnliche Erinnerungen wie du, als ich damals als kleiner Junge mit meinen Eltern öfter zu den Verwandten in die „Ostzone“ nach Cottbus gefahren bin.
    Aber als Ausgleich zum flauen Magen hast du letzte Nacht ein gemütliches kleines Hotel gehabt im Vergleich zu der Wohnung der Genossenschaft. Was gab es denn zum Abendessen? Vom runterfallenden Kartoffelsalat konntest du ja nicht satt werden nach der langen Wandertour …
    Alles Gute für den Abschluss dieser Grüne Band Tour.
    Roland

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