Padjelanta – Tag 10

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Es hat viel geregnet in der letzten Nacht.

Toll sieht er aus der Tarraälven mit den tiefhängenden Wolken. Wir sind gut gerüstet. Regenhose, Regenjacke, Regenüberzug für den Rucksack und über das Ganze noch ein Poncho. Nasse Füße sind wir mittlerweile gewöhnt, aber alles andere muss warm und trocken bleiben.

Der Wald ist klatschnass. Schon nach dem ersten Kilometer kommen wir an eine Stelle, an der alles schwimmt. Ein Bach ist über die Ufer getreten und das Wasser läuft in breiter Front durch den Wald. Wir balancieren von Stein zu Stein und hangeln uns um Bäume herum.

Auffällig ist die üppige Vegetation, die uns ab jetzt umgibt. Die Hüttenwartin hat uns berichtet, daß wir heute durch eines der letzten verbliebenen Urwaldareale Schwedens laufen. Nie hat ein Mensch Hand an diesen Wald gelegt.

Und ganz unabhängig voneinander spüren wir beide, daß hier etwas anders ist. Ist es die besondere Ruhe, die dieser Wald ausstrahlt? Es fällt mir schwer passende Worte für die besondere Atmosphäre in diesem besonderen Stück Natur zu finden.

Und dann klart es langsam auf. Glitschige Felsen bekommen wieder Griff und die Wege beginnen abzutrocknen. Heute rutsche ich kein einziges Mal aus und das Vertrauen in Füße und Beine kommt langsam zurück.

Es duftet nach Baldrian.

Und zusammen mit Weidenröschen und Mariendisteln bildet er herrliche Blühwiesen.

Schon von weitem ist er zu hören. Der Wildbach mit dem Geröllfeld, den wir heute queren müssen.

Allein schon das Geräusch des tosenden Bachs flösst ordentlich Respekt ein. Zuerst denke ich, daß hier gar nichts mehr geht. Aber wir sind nicht allein. Max und Diana treffen zeitgleich mit uns ein.

Max, der erfahrene Waldläufer, findet eine Stelle, die sich zum Waten eignet. Ich tausche Bergstiefel gegen Sandalen und kremple die Hosenbeine hoch, steige bis zu den Knien ins eiskalte Wasser und bin erschreckt von der Wucht, mit der das Wasser gegen die Beine drückt. Ich stütze mich mit dem Stock gegen die Strömungsrichtung und schiebe mich mit den Füßen mehr voran, als dass ich gehe, denn sobald ich den Fuß hebe, wird er schon von der Strömung weggedrückt.

Irene behält ihre Bergstiefel an. Sie ist kleiner und leichter und hat der starken Strömung noch weniger entgegenzusetzen, als ich. Mit den Schuhen an den Füßen hat sie die Möglichkeit sich zwischen den Steinen zu verkeilen und einen festen Stand zu bekommen, ohne sich zu verletzen.

Gut, dass uns Max und Diana mit Rat und Tat unterstützt haben.

Als wir heil und glücklich die andere Seite erreichen, sehen wir noch einmal mehr, was wir hier bewältigt haben.

Ganz ungefährlich war das nicht!

Die nächste Hütte liegt wunderschön direkt unterhalb des Tarrekaisegipfels und ist umgeben von Wiesen aus Weidenröschen und Mädesüß.

Ein Bad im Tarraälven gibt es heute Abend…

…ein leckeres Abendessen aus selbstgesammelten Pilzen…

…und einen gemütlichen Tagesausklang mit heißem Kakao.

Das haben wir uns verdient!!

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  1. Renate Rosenthal sagt:

    Welch eine herrliche wilde Natur, in der ihr gewandert seid! Ich staune über die Blumenteppiche, die Vielfalt, aber auch die Wildheit der Flüsse. Wie ihr alle Wetterkapriolen bewältigt habt, finde ich einfach grandios. Danke, dass ich virtuell dabei sein konnte. Renate

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